Kathi hockt im taufeuchten Gras, bringt ihre Vollformat-Kamera in Stellung. Verrenkungen gehören zum Geschäft eines alpinistischen Influencers, so, wie die verschiedenen Objektive mit Festbrennweite und Zoom. Max kauert derweil bauchlings an der Uferböschung des türkisenen Klammsees als wolle er mit bloßen Händen Wasser schöpfen. Dabei hat er es nur auf ein paar Farnwedel abgesehen, die erst vor kurzem das Licht der Welt erblickt haben.


Für Instagrammer wie Max und Kathi ist der Stausee oberhalb der Kapruner Sigmund-Thun-Klamm ein gefundenes Fressen. Die Natur darf sich hier ungestört austoben, und wer die kurzen steilen Serpentinen hinauf zum Bürgkogel nimmt und seinen Blick schweifen lässt über die in Weiß-, Braun-, Grün- und Blautönen kuratierte Landschaft wird, sofern er kein Herz aus Stein hat, als anderer Mensch absteigen. Man beginnt zu verstehen, warum Gäste tausende Kilometer anreisen, nur um einmal ein paar Schneebälle zu formen oder stundenlang dem Lauf des Wassers zu lauschen.

Katharina und Max Shooting Klammsee

Und man kann nachvollziehen, warum es nicht immer Filter braucht, um Fotos instagrammable aufzubereiten. »Weniger ist mehr«, sagt Kathi, die statt aufs Handy auf Kameras mit lichtstärkeren und schärferen Objektiven setzt, also mit Festbrennweiten spielt. Zoomen ist dann nicht, man müsse sich schon mehr bewegen, um das perfekte Bild einzufangen. Perfekt heißt für die 27-jährige Grafikdesignerin zum Beispiel einen Frame setzen. Nur verschwommen erkennbare Blätter oder Blumen umfrieden den Bildausschnitt. Das Auge des Betrachters fällt auf das eigentliche Objekt der Begierde, eine Bergkette im Hintergrund etwa. »Vordergrund macht’s Bild gesund«, lautet das Credo der Berchtesgadnerin, die mit solchen Kunstgriffen die Tiefe eines Bildes auslotet und seine Dimensionen betont.

Katharina und Max Shooting am Klammsee

Auch Max, der Wirtschaft in Innsbruck studiert, investiert lieber in gute Objektive als in einen richtig teuren Body. Freilich seien die Smartphones heute eine Alternative zur Kamera, aber der 21-Jährige ist vor allem old school unterwegs, wenn es um coole Fotos jenseits von Postkartenidylle geht. Seinen Lucky Punch landete Max vergangenen Winter beim Skifahren. Eine Hütte auf der Schmittenhöhe in Zell am See inmitten unberührter Natur, überzuckert von eineinhalb Metern Neuschnee. Der Schnappschuss mit dem iPhone brachte dem Pinzgauer eine Reichweite im zweistelligen Millionenbereich; mehrere große Accounts griffen das Thema auf, Leute aus der ganzen Welt schrieben ihm. Manchmal braucht es einfach nur Intuition, den Blick fürs Detail und die Liebe zur Natur. Oder, wie Kathi es zusammenfasst: »Nicht die Kamera macht das Bild, sondern der Fotograf

Max Shooting Klammsee

Nicht die Kamera macht das Bild, sondern der Fotograf.

Katharina Wildenhof

Tutorial No 01
Heute schon geframt? Einfach den Vordergrund unscharf halten. Elemente wie Blätter oder Zweige ziehen den Betrachter ins Bild und lenken seine Aufmerksamkeit auf den scharfen Bereich des Objektraums.

Tutorial No 02
Immer wieder neue Posen einnehmen, den Blickwinkel ändern. Die Natur genießen, mit offenen Augen unterwegs sein, und: Ohne Spaß geht gar nichts.

Tutorial No 03
Nichts ist langweiliger als blauer Himmel und die grelle Mittagssonne. Deshalb das weiche Licht zum Sonnenauf- und Sonnenuntergang nutzen. Und auch mal bei aufziehendem Nebel oder Gewitterwolken experimentieren.

 

Katharina und Max Shooting Klammsee

Tutorial No 04
Menschen mit etwas Abstand fotografieren, sonst fehlt zu viel von der umliegenden Landschaft.

Tutorial No 05
Nische finden, mit wiederkehrenden Details spielen, etwa wehenden Haaren.

Tutorial No 06
Für verschiedene Looks lieber in gute Objektive investieren als in einen teuren Body. Mit Festbrennweiten gelingen lichtstärkere und schärfere Fotos, mit Zoomobjektiven hat man mehr Spielraum.

Katharina und Max Shooting Klammsee