Einst ist der Homo Sapiens durch die Savanne gerannt, hat abwechselnd gehungert oder riesige Portionen Fleisch verdrückt. Über Jahrtausenden wurden die Gene darauf optimiert. Keine Ahnung, woran er letztlich gestorben ist. Herzinfarkt oder Schlaganfall waren es jedenfalls nicht. Ganz anders im Informationszeitalter. Zwar blieb die genetische Information weitgehend unverändert, dennoch hat der heutige Lebensstil wenig gemein mit den Jägern und Sammlern von einst. Deren Leben übertragen in die Gegenwart würde so aussehen: tägliches Bewegen, gesunde Ernährung und ein den Stoffwechsel anregendes regelmäßiges Fasten
Ein Lebensstil, der nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen dazu beiträgt, acht von zehn Herzinfarkten zu vermeiden. Doch offensichtlich hapert es an der Umsetzung – ein Innehalten beginnt meist erst nach einer solchen Erkrankung. Und oft genug gar nicht, sagt der Mediziner Dr. Jan Stritzke.

Die ewige Jugend?

Als Kardiologe und Hypertensiologe hat er lange Jahre in der Akutmedizin gearbeitet, in einem Krankenhaus Herzkatheter-Untersuchungen durchgeführt und Gefäßstützen, so genannte Stents implantiert. Maßnahmen, die ihm auf Dauer nicht ausreichend erschienen: „In der Standard-Behandlung fehlt der ganzheitliche Ansatz, deshalb habe ich mich mehr in der Wissenschaft engagiert und bin schließlich in die Präventivmedizin gewechselt.“ Wenn Jan Stritzke über Vorbeugung redet, spricht er nicht ohne Augenzwinkern von „der Suche des Kardiologen nach ewiger Jugend“ und zitiert das berühmte Gemälde „Der Jungbrunnen“ von Lucas Cranach dem Älteren, auf dem Frauen, gebrechlich und alt, beim Bade verjüngt werden. Dass die Männer hier nicht eintauchen ist lediglich der künstlerischen Freiheit zuzuschreiben, denn natürlich haben auch sie im Mittelalter auf die wundersame Kraft heilender Quellen gesetzt.
Bründl Karl

Vorsorgen statt sich sorgen

Leider sind die Jungbrunnen eine Mär, ebenso wie die ewige Jugend. „Trotzdem können wir einiges dafür tun, dass unser Herz bis ins hohe Alter gesund bleibt. Koronare Herzerkrankungen zählen heute zu den häufigsten Todesursachen. Prävention sollte daher schon im Kindergarten beginnen“, meint Stritzke. In der Präventivmedizin ist sein zentrales Anliegen – bildhaft gesprochen – die Jugendlichkeit des Herzens wie des gesamten Organismus zu erhalten. Dabei ist für ihn die körperliche Aktivität der Schlüssel zu einem gesunden Leben. Und wer hätte gedacht, dass das Herzinfarktrisiko bei einer Couch-Potato etwa dem eines Rauchers entspricht, der 20 Zigaretten am Tag konsumiert?
Das Herz passt sich ein Leben lang an die Bedürfnisse des Menschen an.
Dr. Jan Stritzke
Mediziner vom Lanserhof am Tegernsee

Wo liegen die Risiken?

„Wenn man extrem zunimmt, pumpt es mehr und wird größer, bei Bluthochdruck werden die Wände dicker.“ Die Zunahme der Wandstärke stellt gleichzeitig einen wesentlichen Alterungsprozess des Herzens dar, der durch Risikofaktoren wie Bluthochdruck und Übergewicht erheblich beschleunigt wird. Ob sich diese Prozesse wieder umkehren lassen, wird unter Wissenschaftlern heiß diskutiert. „Im Grunde denke ich aber“, so sagt Stritzke: „Was weg ist, ist weg.“ 

Umso mehr lohnt daher der Blick auf die Risikofaktoren. Da gibt es Konstanten wie Alter, Familienanamnese und Geschlecht. So kommen Männer schon zwischen 40 bis 50 Jahren ins Risikoalter, Frauen erst zehn Jahre später. Auf der anderen Seite stehen beeinflussbare Risikofaktoren wie Stress, Übergewicht, Fitness, Diabetes Typ 2, Cholesterin, Blut-druck, Nikotin. „Letztlich geht es um den Menschen, dem das Herz gehört. Deshalb ist der ganzheitliche Ansatz so wichtig.“

Die größte Gefahr ist unregelmäßige Bewegung

„Jemand, der sich nicht bewegt, kann über die Ernährung auch nur einen kleinen Teil ausgleichen, denn die Bewegung übertrifft alle anderen Risikofaktoren um Längen. Glücklicherweise ist der präventive Effekt aber schon bei sehr geringer sportlicher Aktivität nachweisbar. Es geht gar nicht darum, einem Athleten nachzueifern; eine moderate Ausdauerbelastung ist völlig ausreichend.“ 10000 Schritte am Tag sind die Grundbelastung, um einem Herzinfarkt oder Schlaganfall vorzubeugen. Spaß an der Bewegung zu finden ist für viele ein erster Schritt in ein anderes Leben. „Die nächste Stufe sind 150 Minuten Ausdauertraining pro Woche, dazu noch etwas Kraftsport. Wenn man die Kraft steigern kann, bis ins Alter trainiert, dann ist man auch energievoller, selbstbewusster.“ In der Ausdauerbewegung werden Stresshormone abgebaut, vor allem draußen in der Natur.
Mitarbeiter beim Wandern

Auszeit für Herz und Seele

„Und wenn es dann noch gelingt, das in eine Art Selbstachtungsszenario zu integrieren, sich also auch einmal hinzusetzen und auszuruhen, um den Tag zu genießen, sich ohne Zwang mit sich und dem Leben zu beschäftigen – dann ist das ein Großteil der Entspannung“, sagt Stritzke. Bewegung und Ruhezeiten also, um Körper, Geist und Seele zusammenzuhalten? Ja, und im Idealfall, ergänzt der Herz- und Gefäßspezialist, kommen noch zweckfreie Sozialkontakte dazu. Das seien jene, die man einfach hat und die durch nichts getrieben sind. Auch regelmäßige Auszeiten gehören für Stritzke zu einem gesunden Lebenswandel. Darunter versteht er mehr als zum Beispiel eine Fastenkur nach Mayr. „Es ist die Frage, wie man lebt. Wer stark eingespannt ist im Beruf, braucht diese Zeiten umso mehr. Eine andere Möglichkeit: ein Job, der genau das richtige Maß hat und am Nachmittag Zeit für den Sport lässt; aber nicht im Sinne, ich muss Leistung bringen, sondern um sich und dem Körper etwas Gutes zu tun.“
Vortrag bei einem Workshop für Bründl Mitarbeiter

Ein Grundsatz übrigens, den Jan Stritzke selbst verinnerlicht hat. „Ich lebe an der Nordsee, wo ich beim Radfahren oder Joggen am Wasser immer auftanken kann.“  
Der Text ist eine Zusammenfassung des Vortrags „Von Adam und Eva“, den Dr. Jan Stritzke beim Strategie-Workshop vor Führungskräften von Bründl in Kals am Großglockner hielt.

Gib Acht auf deinen Körper

* 3 Hauptmahlzeiten, keine Zwischenmahlzeit * Reduzierter Kohlenhydratanteil * Nikotinverzicht * 1 mal pro Woche Intervallfasten * 10.000 Schritte pro Tag * 150 min. Ausdauertraining pro Woche * 1 bis 2 mal Krafttraining pro Woche * Zeit zur Regeneration (Selbstachtung)