Herr Mag. Mühlbauer, warum ist es so wichtig zu regenerieren?

Der Irrglaube, Leistung sei wichtig und Regeneration geht am besten mit einem Drink an der Bar oder während der immer spärlicher werdenden Schlafzeit des Menschen, ist weit verbreitet. Es ist an der Zeit, diese antibiotische Haltung, eine Haltung gegen Leben und Leistung gerichtet aufzulösen und durch Einsicht zu ersetzen.

Welche Einsicht?

Dass Regeneration bedeutet, verbrauchte Energien zurückzugewinnen – und das auf allen uns zur Verfügung stehenden Ebenen des Organismus. Bewusste Regeneration hat nichts mit Faulenzen oder Zeitvertreib zu tun.

Ist der Mensch nicht von Haus aus auf Ruhe und Erholung aus?

Das möchte man meinen. Aber meine Erfahrung ist, dass viele glauben leistungsfähig zu sein und zu bleiben, ohne die Regenerationsfähigkeit in gleichem Maße zu trainieren. Das wäre ungefähr so, als ob Sie ein Auto kaufen, einmal volltanken und sich dann wundern, wenn es nach ein paar hundert Kilometern stehen bleibt.
Grüne Wiesenfelder

Das leuchtet ein.

Sehen Sie, für einen Autofahrer ist der Gedanke absurd, dass ein Auto ewig fährt ohne nachzutanken.

Was heißt das aufs Leben übertragen?

Jeder muss zu seinem eigenen Regenerationstrainer werden. Wer nichts für Leistungsoptimierung und –erhalt tut, wird schnell merken, dass etwas Grundlegendes fehlt. Bewusste psychophysische Regeneration hingegen ist der Schlüssel für unseren körperlich-geistigen Erfolg und unsere Gesundheit; nicht nur für Sportler.

Hört sich an, als ob Regenration wichtiger sei als alles andere.

Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Regeneration ersetzt kein Training und keine Arbeit. Aber sie ist unsere zweite Hälfte und wenn die zweite Hälfte fehlt, ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Schaffenskraft abnimmt und Krankheiten zunehmen. Der Mensch reagiert mit seinem Organismus ausgesprochen sensibel auf dieses Wechselspiel der Kräfte. Daher ist es so wichtig, die Balance wiederherzustellen.

Wie sensibilisieren Sie die Menschen, für mehr Ausgleich zu sorgen?

Sie finden genügend Beispiele in der Natur, mit denen Sie auf die Notwendigkeit hinweisen können. Nehmen Sie nur das Atmen. Warum haben wir Menschen kein Problem mit dem Atem?

Sagen Sie’s mir!

Weil kaum einer den Fehler machen würde und sagt: ›Ja, Einatmen mag ich, aber Ausatmen mag ich nicht.‹ Der Atem ist perfekte Balance und zeigt, dass wir auf das Gleichgewicht der Gegenpole angewiesen sind.

Wie komme ich zurück ins Gleichgewicht?

Wir haben ein Programm entwickelt mit den zentralen Bausteinen Bewegungsapparat, Stoffwechsel, Nervensystem und Gehirn. In der Folge kann jedes andere System nach demselben Prinzip optimiert werden.
Baumstämme im Wald

Wenn Regeneration Ausgleich bedeutet, was fehlt uns beispielsweise am Bewegungsapparat?

Der jeweilige Gegenpol. Willkür fördert die Einseitigkeit. Wir trainieren Kraft oft stundenlang, um Beweglichkeit kümmern wir uns nicht. Und dort, wo große Flexibilität herrscht, fehlt meist die Kraft – und beides bringt Probleme. Unter den krankheitsbedingten Ausfällen leiden nicht nur die Betroffenen, sie kosten unserer Wirtschaft auch ein Vermögen.

Und was hat es mit dem Stoffwechsel auf sich?

Hier ist primär das Säure-Basen-Gleichgewicht entscheidend. Die kollektiv herrschende Übersäuerung ist ein direkter Weg zu Gicht und Rheuma. Sie kippt unsere Fähigkeit zur Konzentration und die mentale Präsenz. Regeneration im Stoffwechsel bedeutet den Kunstgriff zum Basenüberschuss, um die Einseitigkeit aufzuheben.

Also hängt alles von einem gesunden Organismus ab?

Wirkliche Regeneration folgt immer dem Grundsatz, Fehlendes hinzuzufügen. Damit können wir unsere Einseitigkeiten auflösen, denn das sind wahre Energiefresser. Leistungsoptimierung und psychophysische Regeneration lassen im Alltag ›Energietankstellen‹ entstehen, die nur darauf warten, von uns angezapft zu werden.