So weit die Füße tragen

Christian Cantonati, René Gorissen, Heike Schernthaner, Christoph Kohlberger und Christopher Schaden

Indischer Asket müsste man sein; die Sadhus zum Beispiel verspeisen den Schmerz mit dem Willen bis sie die Natur besiegt haben. Jetzt sind Heike Schernthaner, Christian Cantonati, René Gorissen, Christoph Kohlberger und Christopher Schaden weder Inder noch Asketen. Aber schmerzresistent zu sein ist keine schlechte Eigenschaft, um beim Großglockner Ultra-Trail zu bestehen, den, wie Heike sagt, »schwersten Trail der Welt«. 110 Kilometer rund um den höchsten Berg Österreichs, 6.500 Höhenmeter durch drei Bundesländer, vorbei an 14 Gletschern und unzähligen Gipfeln.

Zusammen hat sich die Fünfer-Clique von Bründl Sports auf die Tortour vorbereitet. Und auch wenn – lassen wir die Kirche im Dorf – sich allesamt den Lightversionen über 30 und 50 Kilometern verschrieben haben, der Hunger und der Durst, die Krämpfe und die Müdigkeit kommen früh genug. Dabei haben wir noch kein Wort über malträtierte Bänder und Sehnen verloren, die zu einem gestandenen Bergläufer gehören wie die Orden am Revers eines Kriegsveteranen. Jeder der Teilnehmer hat seine Zipperlein, ein Gespräch mit ihnen ist vor allem eins über versehrte Gliedmaßen und den Geist, der das Kommando übernimmt, wenn der Körper kapituliert. »Ich werde nicht Erste und ich werde nicht Letzte, das reicht mir«, sagt Heike. Christoph Kohlberger, der schon mal die volle Distanz in Angriff genommen hat, sekundiert: »Jeder, der mitmacht, ist ein Sieger«, auch wenn man hernach einen »Ganzkörpermuskelkater« habe. Christopher aus der Logistik sagt: »Du kannst dich immer nur selbst schlagen.« Christian spricht von »Zielen im Leben, die dich weiterbringen«, wenn er an das hochalpine Terrain denkt. Nur René fehlen fast die Worte, um seine Stimmung zu beschreiben: »Sorry, einfach nur geil!«

Bründl Sports Team Trailrunning

Jeder, der mitmacht, ist ein Sieger.

Christoph Kohlberger

Vom Saulus zum Paulus

Maurice Dommes, Abteilungsleiter Verkauf Bründl Sports Spieljochbahn Talstation Fügen & Kletterer

Vor elf Jahren ist Maurice Dommes ins Zillertal gekommen, nicht ohne Hintergedanken, wie er sagt. Das südlich des Inns in Tirol gelegene Tal gilt als aktivstes der Welt, und der gebürtige Wernigeroder scheint den Superlativ gut verinnerlicht zu haben, was man so sieht und hört. Ski fahren, Rodeln, Fitnessstudio, seine Liebe aber hat er im Klettersteiggehen gefunden. Sein Spielplatz: Der Klettersteig in Talbach, dort, wo die Passagen schnell rot werden und bald schwarz, von schwierig bis sehr schwierig. Wo der Fels nahezu senkrecht steht und tief unten der Fluss durchs Gestein donnert. Hier ist der 32-Jährige in seinem Element, kraxelt gekkogleich die schroffen Wände entlang, tänzelt über Seile, zieht sich behände nach oben; das alles gefühlt im Zeitraffer. Der Normalo benötigt gut und gern eineinhalb Stunden für den Balanceakt, Maurice nimmt die Route in 20 Minuten. Ein im positiven Sinne herrlich Verrückter, der schon mal beim Spartan Race über brennende Balken springt oder durch Stacheldraht hindurchkriecht. Es gab auch andere Zeiten. Da war Maurice, der gelernte Hotelfachmann, träge, hat ungesund gelebt, sich gehen lassen. Er folgte dann seiner inneren Stimme (»The mountain is calling and I must go«) und heuerte über Umwege bei Bründl in Fügen an.
Heute sagt der Abteilungsleiter Verkauf: »Der Sport macht mich zufriedener, ich kann ganz anders auf Kunden eingehen.« Ganz nebenbei hat er auch seine Höhenangst überwunden. The mountain is calling …

Maurice Dommes Portrait Klettersteig

Mach' mal halblang

Andrea Höller, Abteilungsleiterin Mode Herren Bründl Sports Flagshipstore Kaprun & Triathletin

Sie kann es immer noch.

Beim Ironman 70.3 im schweizerischen Rapperswill hat sich Andrea für die Weltmeisterschaft in Nizza qualifiziert. Seit 20 Jahren betreibt die Abteilungsleiterin für Herrenmode Triathlon, landet regelmäßig auf einem der vordersten Plätze.
Drei Disziplinen seien nicht so monoton, sagt Andrea. Obwohl das Laufen am Schluss »scho grausig is«, wie sie hinterherschiebt. Schon mal ans Aufgeben gedacht? Den Reporter trifft ein Blick, als wolle sie sagen: Wer bitte hat mir den Deutschen geschickt? »Aufgeben tut man einen Brief

»Nein«, sagt sie, »lieber ein schlechtes Ergebnis als gar kein Ergebnis.«

Andrea Höller am Rennrad

Weil der Tag dummerweise 24 Stunden hat und Wettkämpfe nicht dauernd auf der Tagesordnung stehen, hat sich Andrea, Nachname Höller und jugendliche 47, noch ein paar andere Disziplinen zugelegt:
Skitouren selbstredend, Langlaufen, ins Fitnessstudio gehen. Mit ein paar Kollegen ist sie in der WhatsApp-Gruppe »running beauties«, und wenn es beim Wings for Life Worldrun Gelder einzusammeln gilt für einen gemeinnützigen Zweck, spult Andrea auch da ein paar Extrakilometer ab. Ach ja, und Fahrradfahren. Vor allem im Sommer, gerne morgens, mittags und abends. Als Vorbereitung auf den nächsten Triathlon. Wobei, in letzter Zeit trainiere sie meist nur zwei Disziplinen. »Bisserl kürzer treten«, nennt es Andrea – und verabschiedet sich in die Mittagspause. Nicht ohne ihre Rennmaschine.

Andrea Höller Portrait

King off the Road

Sándor Bánfi, Mitarbeiter Alpincenter am Kitzsteinhorn und Service Bikeshop Waidmannsheil Kaprun & Mountainbiker

Chef, ich komme später. Wann? In fünf Tagen.

So ungefähr könnte es sich anhören, wenn Sándor Bánfi wieder von einem Berg steigt, um einen anderen zu erklimmen. Sándor, der aus der Region des Mátra Gebirges in Ungarn stammt, arbeitet abwechselnd im Alpincenter auf dem Kitzsteinhorn und im Bike Shop Waidmannsheil. Ski und Bike – das sind die beiden Fixpunkte des Wahlkapruners. Das eine lässt sich nicht vom anderen trennen bei ihm. Er bildet Skilehrer aus, ist Lawineninstruktor, er fährt Rennen, zum Beispiel den legendären Trasslauf von Zell am See, von dem manche behaupten, die Abfahrt sei konditionell härter als die Kitzbüheler Streif.

Sandor Banfi

Wenn der Schnee weg ist, wechselt Sándor aufs Mountainbike oder das Rennrad. Dann fährt er wieder Rennen, nicht irgendwelche, die schwersten Bergrennen. Es fallen Namen wie Sellaronda Hero, Ötzi Alpin Marathon, Glocknerkönig. Es sind Singletrails darunter, von hunderten Kilometern Länge und vielen tausend Höhenmetern. Sándor bereitet sich mit seinem eigenen Trainer vor, fast täglich trainiert er; für die Swiss Epic, einem fünftägigen Mountainbike-Rennen oder das Absa Cape Epic in Südafrika, eine Art Tour de France für Mountainbiker. Nicht zu vergessen die fünf klassischen Eintagesrennen, die sogenannten Monumente des Radsports. Auch sie sind fest eingeplant im Tourenkalender des 38-Jährigen. Wenn er so weiter macht, werden sie ihm bald ein Denkmal setzen. Fragt sich nur, ob auf einem Mountainbike oder einem Rennrad?

Sandor Banfi am Mountainbike