Grüß dich, Mario! Super, dass wir einen Blick in deine Werkstatt werfen dürfen. Gleich am Anfang die Frage aller Tennisfragen: Wie oft soll man einen Schläger neu bespannen lassen?

Meine Gegenfrage lautet: Wie oft spielst du Tennis? Denn als Faustregel gilt: So oft du pro Woche spielst, so oft im Jahr solltest du deinen Schläger neu bespannen lassen. Also 3 Mal spielen in der Woche, 3 Mal bespannen pro Jahr. Das gilt aber nur für Hobbyspieler. Routinierte Tennisspieler lassen bei mir so alle zwei Wochen bespannen, Turnierspieler noch öfter, auf jeden Fall zusätzlich vor jedem Turnier. Wie oft eine Neubespannung nötig ist, hängt auch von der verwendeten Saite und der Grundfiguration des Schlägers ab.

Warum ist eine Neubespannung eigentlich so wichtig und wie merke ich, dass ich mal wieder neue Saiten aufziehen sollte?

Du kannst dir leicht vorstellen, dass durch die Schläge die Spannkraft nachlässt, die Saiten sind ja nicht starr, sondern geben nach. Außerdem unterliegen auch Tennissaiten einer ganz normalen Materialermüdung. Hitze, Kälte und die falsche Aufbewahrung tun ihr Übriges. Die Neubesaitung ist dann nötig, wenn die Rückspannkraft spürbar nachlässt und die Qualität der Schläge abnimmt. Auch Armprobleme können dann auftreten. Zuletzt reißt die Saite irgendwann. Willst du deine Spielstärke behalten und einen spielentscheidenden Vorteil nützen, kommst du um eine rechtzeitige Neubespannung also nicht herum.
Neubespannung

Gut, das leuchtet mir ein. Kannst du mir anhand deiner Werkstattausrüstung erklären, wie das Bespannen eines Tennisschlägers durchgeführt wird?

Bei der Neubespannung laufen immer dieselben Arbeitsschritte ab:

1. Zuerst wird der Schläger in der Bespannungsmaschine fixiert und die gewünschte Bespannungshärte eingestellt. 

2. Dann wird die alte Bespannung entfernt. Ich schneide, von der Mitte ausgehend, immer abwechselnd eine Längs- und eine Quersaite durch, damit die Spannung gleichmäßig abnimmt und keine Schäden am Rahmen des Schlägers entstehen. 

3. Jeder Schläger hat ein bestimmtes Bespannungsmuster, das merke ich mir. 

4. Nun messe ich die Länge der neuen Saite je nach Größe und Bespannungsmuster aus und schneide die benötigte Saitenlänge ab. 

5. Beim Neubespannen beginne ich mit der Längssaite in der Mitte und arbeite nach links und rechts nach außen, indem ich die Haltezangen und den Zugmechanismus nütze. 

6. Sind die Längssaiten fertig, kommen die Quersaiten dran, immer im Wechsel über und unter die Längssaiten. Die Enden der Saite werden im Rahmen verknotet. Fertig!

Das sieht ja ganz schön kompliziert aus. Kann man das auch selber machen und wenn ja, was braucht man an Werkzeug?

Ja, im Prinzip kann man einen Tennisschläger schon selbst bespannen. Es ist halt ziemlich aufwändig, du brauchst eine Bespannungsmaschine und viel Erfahrung und Geschick. Neben der Maschine, die du ja auch warten musst, benötigst du zwei Haltezangen, eine Ahle, damit du die Saite durch die Ösen im Rahmen fädeln kannst und eine Flach- oder Spitzzange als zusätzliche Hilfe. Die alte Saite kann man mit einem Saitenschneider, einer scharfen Schere oder auch mit einem Messer entfernen. Aber hier ist eben auch die richtige Technik wichtig, sonst bricht der Rahmen und du kannst den Schläger gleich wegwerfen.

Geheimtipp: Wer seinen Schläger neunmal bei Bründl Sports bespannen lässt, für den ist das zehnte Mal gratis.

Oh, naja, dann ist es vielleicht doch besser, ich komme gleich zu dir, oder? Was machst du denn, wenn ich dir meinen Tennisschläger bringe – wie weißt du, welche Bespannung für mich passt?

Es gibt eine Reihe von Dingen, die ein Bespannungs-Profi beachtet. Zunächst nehme ich deine Größe, Gewicht und Trainingszustand wahr. Eine Hobby-Spielerin mit 50 Kilogramm Körpergewicht und zarten Händen braucht natürlich eine andere Bespannung als ein voll trainierter Turnierspieler mit zwei Metern Körpergröße. 
Ich frage nach der Spielhäufigkeit, der Spielstärke und den Erwartungen. Bei erfahrenen Spielern kann man mit verschiedenen Saiten experimentieren, schauen, was den Kunden beim Spiel begeistert. Oft ist eine empfohlene Spannungsstärke am Schläger selbst angegeben, daran kann ich mich auch orientieren.

Du hast gesagt, es gibt verschiedene Saiten? Ich habe auch gehört, dass es auch unterschiedliche Knotungen gibt. Was ist da dran?

Ja, es gibt Saiten aus Kunststoff und welche aus Naturdarm, eigentlich so wie bei einer Harfe oder anderen Instrumenten. Und die Haltbarkeit ist auch ähnlich. Kunststoffsaiten halten länger und sind stabiler, erfahrene Spieler und Profis setzen oft auf Darmsaiten. Man muss das einfach ausprobieren, was einem mehr liegt. Einige Spieler bevorzugen eine Hybridbespannung, das heißt, dass Längs- und Quersaiten unterschiedlich sind. Was die Knotung betrifft, kann ich den ganzen Schläger mit einer einzigen Saite bespannen und habe dann jeweils einen Anfangs- und Endknoten, also insgesamt zwei Knoten. Bespanne ich Längs- und Quersaiten getrennt, habe ich logischer Weise vier Knoten. Bespannen tu‘ ich lieber mit zwei, spielen lieber mit vier Knoten (lacht)! Aber das ist auch wieder was, was man selber ausprobieren muss.
Ein Tennisspieler am Feld

Was ist eigentlich der Vorteil, wenn ich meinen Schläger von dir bespannen lasse und nicht selbst zu Zange und Saite greife?

Der große Vorteil, seinen Tennisschläger vom Profi bespannen zu lassen ist – würde ich sagen: dir fehlt schlicht die Erfahrung. Wir machen das jeden Tag, können einschätzen, was ein Spieler braucht und sind stets auf dem neuesten Stand, was Technik und Material betrifft. Außerdem verwenden wir ausschließlich elektronische Maschinen, die natürlich regelmäßig gewartet werden. 
So können wir die Rückspannkraft immer mit demselben Gerät messen und erhalten zuverlässige Werte. Auf diese Weise können wir selbst anspruchsvollste Spieler bei der Bespannung bestens beraten und uns schrittweise an das Optimum für den Spielerfolg heranarbeiten.

Lieber Mario, vielen Dank für das Interview! Ich bring dir meinen Schläger demnächst auch mal wieder vorbei!