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Vom internationalen Wettkampfsport an die hohen Felswände:

Anna Stöhr interpretiert ihren Kletterstil neu und findet neue Herausforderungen in langen Routen.

Nachdem die erfolgreiche Profi-Kletterin Anna Stöhr im Sommer 2018 ihre Wettkampfkarriere offiziell beendete, begab sie sich auf die Suche nach neuen Herausforderungen. Sie fand diese unter anderem im französischen Aiglun – dort wagte sich die 31-Jährige an die schwierige Route Ali Baba (8 SL, 250m, 8a+). Über die Unterschiede zwischen Bouldern und Klettern, neue Herausforderungen und den Gewinn von Freiheit und Zeit spricht die Innsbruckerin mit uns.

Anna, seit Deiner Entscheidung im Sommer 2018, die Profi-Karriere als Boulderin – auch verletzungsbedingt – zu beenden, hat sich bei Dir einiges verändert. Nach mehr als 15 Jahren Bouldern bis an die Weltspitze und als mehrfache Weltmeisterin sowie Gesamtweltcupsiegerin hast Du Dich vom Wettkampfsport verabschiedet. Du bist nun viel öfter am Naturfels und in längeren Routen unterwegs?

Anna Stöhr: Es ist ja nicht so, dass ich seit meinem Karriereende das erste Mal draußen klettere. Ich war schon immer am Naturfels unterwegs, auch während meiner Wettkampfzeit. Natürlich stand aber das Bouldern meistens im Vordergrund. Im Jahr 2018 habe ich dann einen Bandscheibenvorfall erlitten. Kurz danach, in der ersten Woche, konnte ich nicht einmal richtig laufen. Daraufhin habe ich die Entscheidung getroffen, den Wettkampfsport hinter mir zu lassen und „Neues“ zu entdecken. Die vielen Stöße, die das Bouldern mit sich bringt, sind für die Bandscheiben und für den Körper insgesamt eine hohe Belastung. Der Unfall und die Verletzung schafften, rückblickend und positiv betrachtet, Freiraum dafür, einen Schritt zurück zu machen und meine Kletterei neu zu interpretieren. Ich erlebte das Klettern auf eine ganz neue Art, mit neuen Zielen. Am Felsen, mit Seil, bei Mehrseillängen-Routen an den hohen Felswänden.
Das war dann auch der Zeitpunkt, an dem die Bergsteigermarke SALEWA und ich zueinander fanden. Das Filmprojekt Evolution, das ab dem 14.04. erstmals online zu sehen ist, ist im Rahmen dieser Partnerschaft mit SALEWA entstanden.

 

Salewa Anna Stöhr 1

Diese Frage mag absurd klingen, da Du als Weltmeisterin im Bouldern praktisch alles erreicht hast. Dennoch möchten wir gerne wissen, welche Erfahrungen Du bei diesem „Wandel“ gemacht hast. War die Umstellung groß? Hohe Felswände und Mehrseillängen-Routen anstelle von Boulderproblemen an meist künstlichen Wänden?

Anna Stöhr: Ja, sicher. Da gab es einige Herausforderungen für mich. Beim Bouldern bin ich im Durchschnitt in zehn Sekunden fertig. Das Problem ist schnell gelöst, wenn es darauf ankommt. Mehrseillängen-Routen, wie z.B. Ali Baba (8 SL, 250m, 8a+) im französischen Aiglun, fordern wesentlich mehr Durchhaltevermögen und stellen andere physische und auch psychische Anforderungen. Für die Route Ali Baba habe ich ca. zehn Stunden gebraucht. Die Wände dort haben einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Es hat mich gereizt, herauszufinden, ob auch ich durch so eine hohe Wand klettern kann. Physisch traute ich es mir zu, aber ich habe großen Respekt vor der Höhe und der Ausgesetztheit einer solchen Wand. Meine mentalen Fähigkeiten, die ich beim Wettkampf so oft ausspielen konnte, schienen mir wertlos, als ich einhundert Meter über dem Boden hing. Für mich gab es aber ein klares Ziel vor Augen; Ich wollte und will mich als Kletterin verändern und meinen Sport und mein Talent vielseitiger ausleben.
Die Jahre im Bouldersport bis in die Weltelite haben meinen Kletterstil und auch mich als Person geprägt. In Mehrseillängen-Routen gilt es einen eigenen Stil zu finden, bzw. meinen Stil den hohen Wänden anzupassen. Da musste ich mich erstmal neu interpretieren und langsam herantasten.

Salewa Anna Stöhr 2

Wo bewegst Du Dich heute, nach fast zwei Jahren seit Deinem Abschied vom Wettkampfsport, lieber? Draußen am Fels oder beim Bouldern in der Halle?

Anna Stöhr: Ich mag die Vielseitigkeit des Sports. Beim Klettern in hohen Wänden fühle ich mich manchmal wie eine Anfängerin. Das macht es spannend und interessant für mich.
Die unterschiedlichen Disziplinen bringen grundsätzlich vielseitige Herausforderungen mit sich.
Ich denke, dass meine Geschichte und die Veränderung – meine persönliche Reise von der zweifachen Boulder-Weltmeisterin hin zur Kletterin in hohen Wänden – auch andere Menschen, inspirieren kann. Für mich bedeutet der Abschied vom Wettkampsport nach wie vor auch ein Gewinn von Freiheit, mehr Selbstbestimmung und Zeit. Ansonsten gilt: Klettern ist klettern. Und das, was Du in der Kletterhalle und beim Bouldern brauchst, hilft Dir natürlich auch draußen am Naturfels.

 

Salewa Anna Stöhr 3

Unser Film-Tipp

Zu sehen ist der Film Evolution mit Anna Stöhr ab 14. April 2020 auf Deutsch mit Englischen Untertiteln auf Youtube

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