Sam Maes

Und deswegen macht einer wie Sam, 21 Lenze jung, geboren nahe Antwerpen, spezialisiert auf Riesenslalom und Slalom, auch nie wirklich Pause. Eine Woche Urlaub, eine Woche Belgien, für dessen Skiverband er startet, ein paar PR-Termine, dann steigt der Lockenkopf wieder ins Konditionstraining ein. Im Hochsommer, wenn andere im Badeurlaub weilen, zieht es Sam mit ein paar Gleichgesinnten auf die Gletscher rund um den Globus. Das Global Racing Ski Team gilt als bestes Privatteam der Welt. Für Sam die Messlatte, um zu sehen, wo er leistungsmäßig steht. Er sagt aber auch: »Je besser du wirst, umso schwieriger wird es für kleinere Nationen, weil einfach die Ressourcen fehlen.« Jetzt sind die Belgier nicht so weit vom Winter weg wie Bobfahrer aus Jamaika, ohnehin wohnt Sam fast sein ganzes Leben schon in Zell am See. Er startet weiter unter belgischer Flagge, aber im Pinzgau hat er nicht nur die Berge vor der Türe, in Bründl hat er auch eine Art inoffiziellen Betreuerstab.
Sam Maes
Manni Rogetzer, Hans Hofer, Fabian Stiepel, der Ski-, der Skiservice- und der Skischuhexperte, bieten wie nur wenige Betriebe in Österreich einen professionellen Ski- und Rennservice. Sam ersetzen sie nicht den Trainer oder den im Hochleistungssport so wichtigen Servicemann, vielmehr sind sie geschätzte Anlaufstelle für die kleinen und großen Wehwehchen des Belgiers. Mal fehlt das dringend benötigte Rennwachs, mal plagen den Nachwuchsrennläufer Druckstellen vom Skischuh, mal ist die Spannung am Ski dahin. Zu tun gibt es immer etwas. Allein in der abgelaufenen Saison hat Sam 16 Paar seiner Skier verschlissen. Achtungserfolge wie ein zwölfter Platz beim Weltcup in Kranjska Gora oder drei Bronzemedaillen bei Ski-Juniorenmeisterschaften fordern ihren Tribut. Manchmal geht es nur darum, den Burschen aufzurichten, erzählt Hans. Gemeinsam zu schauen, warum es nicht so gut gelaufen ist, woran es gelegen hat, oder einfach nur ums Fachsimpeln. Für Sam, den angehenden Wirtschaftsingenieur, ein Glücksfall, diese Qualität und Erfahrung in der Nachbarschaft zu haben, wie er sagt. Rund 200 Tage im Jahr lebt Sam aus dem Koffer, zieht mit seinem Tross von Hotel zu Piste. Sein neuer Trainer habe ihn von einem technisch guten Skiläufer zu einem auch guten Rennfahrer gemacht. »Trainer am Berg, Freund im Tal«, sagt Sam über ihn. Wie er wohl Manni, Hans und Fabian bezeichnen würde? Wie wär’s mit: Freunde im Tal, Fans am Berg?
Das Bründl Sports Racing Service Team mit Skirennläufer Sam Maes

Stefan Brennsteiner

Man weiß ja nie, wie es in einem Skirennläufer ausschaut, unter seinem Helm, hinter der Brille. Im Zieleinlauf sieht der Zuschauer meist nur das Bild eines atemlosen aber glücklichen Fahrers, häufiger noch das eines Atem- und Ratlosen. In der jungen Karriere des Stefan Brennsteiner hat sich immer auch das Bild des Schmerzgeplagten dazugesellt. Mit seinen 27 Jahren hat er schon einiges gerissen, Sieger des Europacups im Riesenslalom etwa, fast immer Stammgast unter den Top 50 bei den vergangenen Weltcup-Saisonen. Trotzdem fragt man sich, was er hätte reißen können, wenn Bänder und Knie gehalten hätten all die Jahre? Man sitzt einem groß gewachsenen, trainierten Mann gegenüber, Mitglied des A-Kaders des Österreichischen Skiverbands und als solcher immer noch einer der besten Rennläufer des Landes. Oder gerade deswegen? Haben ihn die Verletzungen vielleicht sogar stärker gemacht? Stefan sagt: »Zweifel sind schon da, ob man überhaupt wieder hoch auf den Berg soll. Aber ich spüre nach wie vor eine extreme Leidenschaft. Und: Ich habe noch nicht alles gezeigt.«
Stefan Brennsteiner
Der Verband steht zu seinem Athleten, auch Bründl, der als Kopfsponsor den Rennläufer unterstützt. Stefan ist vorsichtiger geworden, was Ziele angeht. »Aber«, so sagt der aus Niedernsill nahe Kaprun stammende Profi, »in ein bis zwei Jahren sehe ich mich in der Weltspitze. «Was das heißt? »Unter den Top 3«, sagt Stefan, der sich dieser Tage mit Konditions- und Krafttraining fit hält, bevor es nach Patagonien in den Süden Argentiniens zu den ersten Trainingsläufen geht. Mit seiner vierköpfigen Riesentorlauf-Gruppe bereitet er sich auf die kommende Saison vor. Dazu gehören auch Touren am Kitzsteinhorn. »Das macht uns besser.« Und, wie als verspätete Antwort, ob ihn die Rückschläge stärker gemacht haben: »Ich habe schon den Anspruch, nach meinen Verletzungen stärker zurückzukommen.« Wichtig sei, dass Körper und Technik passen, dann kommt das Material, und dann der Kopf ins Spiel. Jetzt muss nur noch die Gesundheit mitspielen.
Stefan Brennsteiner beim Laufen im Wald